„Erst mal machen“

Fily Mihans Motivation: Menschen und Produkte voranbringen.

GoodJobs

Fily Mihans Motivation ist, Menschen und Produkte voranzubringen.

Mit 19 Jahren zieht es Fily Mihan ohne den vermeintlich sicheren Plan „Abi – Studium – Job“ nach Berlin. Ihr Motto: „erst mal machen!“ So ist Mihan bei dem Start-up GoodJobs von der Praktikantin in eine Rolle hineingewachsen, die andere als „Chefin“ oder „Head of“ bezeichnen.

Seit 2016 baut Fily Mihan GoodJobs Stein für Stein mit auf. Dabei war die 23-Jährige anfangs das berühmte „Mädchen für alles“: hat jeden Job eingestellt, den Newsletter designt, Abrechnungen gemacht, mit Partnern kommuniziert, neue ins Boot geholt – und damit das Produkt „Jobplattform für Jobs mit Sinn“ maßgeblich mit entwickelt. Ihre Motivation ist dabei Menschen und Produkte voranzubringen. Damit ihr auf diesem Weg nicht die Luft ausgeht, gönnt Mihan sich jetzt eine Pause in Form eines längeren Auslandsaufenthalts. Was danach kommt, darauf ist sie selbst gespannt. Eines jedoch ist sicher, es wird selbstbestimmt und mit viel Raum zum Machen sein.

die Chefin: Warum machen Sie, was Sie machen?

Fily Mihan: Schon während meiner Schulzeit haben mich die Themen rund um die Zukunft der Arbeit fasziniert. Daher wollte ich gleich nach der Schule unsere Arbeitswelt aktiv mitgestalten. Mich begeistert vor allem die Art und Weise wie wir kommunizieren, zusammenarbeiten, uns austauschen und gegenseitig inspirieren – und dabei weniger die oder den Kolleg*in und mehr den Menschen zu sehen. Dabei ist mir bis heute wichtig, den alltäglichen Stress zu hinterfragen, statt mich auf konventionellem Wege die Karriereleiter hoch zu kämpfen.

GoodJobs’ Vision ist, die Arbeitswelt zu revolutionieren und so viele Menschen wie möglich dazu zu bewegen, sich mit ihrer Arbeitszeit für eine lebenswertere Gesellschaft einzusetzen. Deshalb setze ich mich so engagiert für den Erfolg unserer Organisation ein. Denn es gibt zu viele Strukturen in der Arbeitswelt, die uns belasten und vollkommen veraltet sind. Wir sollten alle daran arbeiten, dass wir glücklicher zur Arbeit gehen und dabei etwas bewegen.


In der Serie 6 aus 49 beantworten 49 weibliche Führungskräfte sechs Fragen
zu ihrem persönlichen Karriereweg.


die Chefin: Wurden Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

Mihan: Ich bekomme von verschiedenen Seiten Unterstützung. Meine Familie spielt dabei eine große Rolle. Sie steht bei all meinen Vorhaben stets hinter mir und zweifelt meine doch sehr oft von der Norm abweichenden Vorstellungen von meinem Leben und meiner Ausbildung nicht an.

Bei GoodJobs bekomme ich sowohl für meine Stärken als auch meine Meinung sehr viel Respekt sowie Freiraum zur Entfaltung. Das motiviert mich enorm, eigenständig Themen voranzutreiben und Verantwortung zu übernehmen.

die Chefin: Gab es auf diesem Weg Hürden?

Mihan: Die Verantwortung für meinen Bereich und vor allem für meine Kolleg*innen ist eine der größten Herausforderung für mich. Ich wollte jederzeit sicherstellen, dass sich alle wohl und respektiert fühlen, jeder die Prozesse versteht und wir unsere selbst gesetzten Ziele erreichen. Keine einfache Aufgabe!

Ein Start-up aufzubauen bringt immer Probleme mit sich. Diese nicht mit nach Hause zu nehmen, sondern auch abzuschalten, ist mir oft sehr schwergefallen. Dann kamen die Zweifel hoch, ob ich für meine Arbeit genügend qualifiziert bin oder aufgrund meines jungen Alters überhaupt in der Business-Welt ernst genommen werde.

die Chefin: Auf welche Ihrer Eigenschaften sind Sie stolz und warum?

Mihan: Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und dabei nicht das Einfühlungsvermögen für seine Mitmenschen aus den Augen zu verlieren, ist das wichtigste für die Teamarbeit. Meine Empathie und reflektierte Denkweise sind mir dabei immer besonders große Stützen gewesen. Denn lösungsorientiertes Handeln findet statt, wenn man sich selbst sowie die Gegebenheiten akzeptiert, hinterfragt und schnell darauf reagiert. So steht man sich selbst nicht im Weg und kann sich komplexen Situationen aus verschiedenen Perspektiven nähern.

die Chefin: Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Mihan: Den besten Rat bekam ich von meinem Kollegen Paul: „Bleib’ gelassen und priorisiere deine anfallenden Aufgaben.“ Das hat mir unglaublich geholfen, mich auf die wichtigsten Themen zu konzentrieren und die nebensächlichen To-dos guten Gewissens liegen zu lassen, bis der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. Seitdem weiß ich nicht nur, was meine relevanten Wochenaufgaben sind, sondern bin auch deutlich entspannter.

die Chefin: Was raten Sie dem Nachwuchs?

Mihan: Sei mutig, deine Träume und Wünsche ernst zu nehmen und verfolge sie aktiv – ohne Wenn und Aber! Es ist ein großes Geschenk, wenn man es schafft, das zu verwirklichen. Vor allem, wenn man sich dafür vom vorgesehenen, vielleicht sogar bereits erwiesenen, Weg entfernt. Denn verschlossene Türen können ein Geschenk sein, wenn sich so andere öffnen – und die im Zweifel besser zum eigenen Weg passen. Daher ist gelegentliches Scheitern weniger eine Niederlage und mehr Zeichen dafür, dass es manchmal mehrere Anläufe braucht, um ein Ziel zu erreichen.

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