Entweder Forschung – oder Familie

Die meisten Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stehen in Deutschland vor der Frage: Kinder oder Karriere an einer Hochschule?

Unsplash / Fabian Mardi

Die meisten Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stehen in Deutschland vor der Frage: Kinder oder Karriere an einer Hochschule?

Die meisten Wissenschaftlerinnen in Deutschland wünschen sich Kinder – aber schieben die Familiengründung wegen der Unvereinbarkeit von Forschung und Familie auf. Das stellt der dritte Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs des Bundesforschungsministeriums fest.

Demnach würden fast neun von zehn jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gerne Kinder bekommen, aber sie trauen sich wegen der schlechten Vereinbarkeit und befristeten Beschäftigung nicht, den Kinderwunsch auch umzusetzen. Das geht aus dem dritten Bundesbericht hervor, der gerade in Berlin vorgestellt wurde. Sagenhafte 93 Prozent der jungen Forscherinnen und Forscher hat nur einen befristeten Vertrag. Dabei konnte die Anzahl der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um satte 76 Prozent gesteigert werden: Gab es im Jahr 2000 nur 82.000 NachwuchswissenschaftlerInnen, waren es im Jahr 2014 145.000. Die Zahl umfasst sowohl Promovierende als auch Post-Doktoranden an Hochschulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen.

Außer der prekären Beschäftigung und damit fehlenden Planungssicherheit bemängelt der geistige Nachwuchs vor allem die Unvereinbarkeit von Wissenschaftskarriere und Familie. Gerade einmal jeder Zehnte oder jede Zehnte möchte keine Familie haben – und trotzdem bleiben 40 Prozent der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ohne Kinder. Meist unfreiwillig, weil ihre Lebensumstände die Familiengründung nicht zulassen. Zum Vergleich: Nur ein Viertel der Akademiker generell bleibt kinderlos.

Dass ausgerechnet die geistige Elite sich dazu gezwungen fühlt, auf Kinder zu verzichten, ist streng genommen ein Skandal. Kein Wunder, dass die Bildungsgewerkschaft GEW dringend eine familienfreundliche Wissenschaft fordert. Dazu gehört neben unbefristeter Arbeitsverträge vor allem eine bessere Infrastruktur der Kinderbetreuung. Immerhin: Bundeswissenschaftsministerin Johanna Wanka spricht sich ebenfalls für eine bessere Vereinbarkeit in der Wissenschaft und deutlich entspanntere Beschäftigungsverhältnisse aus. Ein Bund-Länder-Programm für Professorenstellen soll Karrierewege in der Wissenschaft verlässlicher, transparenter und planbarer machen. Unklar ist indes, ob ein Programm allein für Tausende Forscherinnen und Forscher die Bedingungen deutlich verbessern wird.

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