„Einen Plan B in der Tasche zu haben, kann nie schaden“

2Wir leben in einer Zeit des Wandels. Frauen sind so gut ausgebildet wie nie zuvor und können Leitungsposten genauso besetzen wie Männer", ist Elke Holst überzeugt.

Elke Holst

2Wir leben in einer Zeit des Wandels. Frauen sind so gut ausgebildet wie nie zuvor und können Leitungsposten genauso besetzen wie Männer", ist Elke Holst überzeugt.

Eigentlich hat Elke Holst, Forschungsdirektorin im Vorstandsbereich des DIW Berlin, für die wissenschaftliche Karriere einen eher ungewöhnlichen Berufsverlauf. Dieser aber eröffnet ihr einen besseren Blick auf Zusammenhänge und Lösungsstrategien.

Nach verschiedenen Tätigkeiten in der Privatwirtschaft und der öffentlichen Verwaltung zog es Elke Holst in die Wissenschaft. Derzeit leitet die Forschungsdirektorin den Bereich „Gender Studies“ im Vorstandsbereich des DIW Berlin. Zu ihren zahlreichen Publikationen auf den Gebieten Arbeitsmarkt und Gender Ökonomik gehören das jährliche Managerinnen-Barometer sowie der Führungskräfte-Monitor des DIW Berlin.

die Chefin: Warum machen Sie, was Sie machen?

Elke Holst: Es ist spannend herauszufinden, was das ökonomisch relevante Handeln von Frauen und Männern bestimmt. Das offenzulegen und das Wissen darüber weiterzugeben, ist aus meiner Sicht sehr wichtig.

Wir leben in einer Zeit des Wandels. Frauen sind so gut ausgebildet wie nie zuvor und können Leitungsposten genauso besetzen wie Männer. Warum aber bildet die Realität das nicht ab? Das Verharren der überwältigenden Dominanz von Männern in Führungspositionen verwundert mich während meiner gesamten Berufstätigkeit. Die Suche nach den Ursachen ist ein Schwerpunkt meiner Forschungsarbeiten.


In der Serie 6 aus 49 beantworten 49 weibliche Führungskräfte sechs Fragen zu ihrem persönlichen Karriereweg.


die Chefin: Wurden Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

Holst: Meine Eltern haben mich bereits früh unterstützt. Mein Vater hielt es immer für ein außerordentliches Geschenk, seine Talente nutzen zu können. Dazu gehört auch, mal etwas völlig anders zu machen, Unsicherheiten zu wagen und alles nicht so eng zu sehen. Meine Mutter hat mir die wichtigen Eigenschaften Zähigkeit und Geduld mit auf dem Weg gegeben. Und ich hatte das Glück, gleich zu Beginn meiner Laufbahn Chefs zu haben, die mich unterstützten. Frauen auf hohen Posten gab es damals so gut wie keine.

die Chefin: Gab es auf diesem Weg Hürden?

Holst: Hürden gibt es immer. Diese zu überwinden, ist die Herausforderung. Es macht Spaß, hinzuzulernen und Hürden hinter sich zu lassen – bis die nächste in Sicht kommt. Das kann dann auch mühsam sein, aber für mich ist der Weg das Ziel.

Für die wissenschaftliche Karriere habe ich einen eher ungewöhnlichen Berufsverlauf: Nach dem Studium fing ich in der Privatwirtschaft an zu arbeiten, danach wechselte ich in eine Landesregierung bis ich mich schließlich für die Wissenschaft entschied. Dieser vergleichsweise breite Berufsweg ermöglicht mir heute aber einen besseren Blick auf Zusammenhänge und Lösungsstrategien.

die Chefin: Auf welche Ihrer Eigenschaften sind Sie stolz und warum?

Holst: Ich würde nicht sagen, dass ich stolz darauf bin, sondern, dass ich froh darüber bin, voranzugehen, Dinge zu gestalten, offen zu bleiben, phantasievoll und kreativ Herausforderungen anzunehmen und zu bewältigen.

Ich arbeite gerne mit anderen Menschen zusammen. Und wenn ich Begeisterungsfähigkeit und Tatendrang vermitteln bzw. unterstützen kann, freue ich mich nicht nur ganz besonders, sondern bin auch dankbar für diese Möglichkeit.

die Chefin: Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Holst: Relax!

die Chefin: Was raten Sie dem Nachwuchs?

Holst: Auf dem Weg nach oben ist es wichtig die Spielregeln nicht nur zu kennen, sondern mit ihnen auch umgehen zu können. Also schnell lernen! Zudem sollte in schwierigen Situationen alles nicht zu persönlich genommen werden. Gut gewählte Vorbilder können inspirieren. Ich rate auch zu Mentoren, denn die können konkret unterstützen.

Grundsätzlich halte ich es für wichtig, bei sich zu bleiben, flexibel und kreativ seinen Interessen und Zielen nachzugehen. Es führen verschiedene Wege nach Rom. Einen Plan B in der Tasche zu haben, kann nie schaden.

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