Digitalisierung? Unentschiedene Unternehmen und gestresste Mitarbeiter

Aus zwei Jobs mach einen: Mit der Digitalisierung geht in der Regel eine Verdichtung von Arbeit einher.

Unsplash / Carlos Muza

Aus zwei Jobs mach einen: Mit der Digitalisierung geht in der Regel eine Verdichtung von Arbeit einher.

Nicht einmal jedes zweite Unternehmen will in den nächsten zwei Jahren in die Digitalisierung investieren. Viele Fimen sind unentschieden oder zurückhaltend – das verunsichert die Beschäftigten zusätzlich, zeigen neue Studien.

Nur 42 Prozent der Unternehmen hierzulande hat konkrete  Digitalisierungsprojekte geplant. Das geht aus einer Befragung der KfW Bankengruppe hervor, für die mehr als 2.000 Betriebe befragt wurden. Ein Viertel sei noch unentschieden, ein knappes Drittel plane keine solche Zukunftsmaßnahmen. Besonders offen für neue Technologien und Arbeitsabläufe sind demnach die größeren Unternehmen, während sich Kleinunternehmen und der Mittelstand zurückhalten zeigen. Interessant ist, dass aber auch jüngere Firmen sich erst einmal abwartend verhalten.

Vor allem im Handel wird der Studie zufolge auf neue Technologien gesetzt. Als Grund wurden besonders häufig der große Wettbewerb aber auch der Wunsch der Kunden genannt.

Dienstleistungsbranche stark digitalisiert

Zugleich belegt eine Studie der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, dass die Digitalisierungsstrategien der Arbeitgeber kein Zuckerschlecken für die Beschäftigten sind. In der Regel geht mit der Einführung neuer Techniken und Workflows eine Verdichtung von Arbeit einher. Nicht selten auch, weil Arbeitsplätze auf diese Weise eingespart werden. Permanentes Multitasking und Dauererreichbarkeit sind dabei die am häufigsten genannten Probleme. Schon heute geben fast zwei Drittel der Beschäftigten im Dienstleistungssektor an, dass ihre Arbeit im hohem Maße digitalisiert sei. Für 83 Prozent der Servicebeschäftigten gehört die Arbeit mit Internet, Smartphones und anderen digitalen Mitteln mittlerweile zum Arbeitsalltag. Und jeder Zweite sieht darin eher eine Belastung als eine Entlastung. Gerade einmal acht Prozent der Befragten sagte, dass die Digitalisierung zu einer Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen geführt habe. Eine Entlastung spüren demnach nur acht Prozent.

Schöne, neue Arbeitswelt? Das geht wohl nur, wenn die Beschäftigten stärker einbezogen werden, wenn es um den Einsatz digitaler Technologien geht. Das ist aber in vielen Betrieben nicht der Fall – entweder, weil es um die betriebliche Mitbestimmung ohnehin nicht gut bestellt ist und oft auch, weil es generell an Erfahrungen, aber auch an rechtlichen Möglichkeiten zur Mitbestimmung fehlt. Das sollte sich dringend ändern, wollen wir auch in Zukunft eine Arbeitswelt haben, in der Menschen gesund altern können.

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