Diese Folgen hat der Brexit für deutsche Unternehmen

Die meisten deutschen Unternehmen rechnen mit negativen Auswirkungen durch den Brexit.

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Die meisten deutschen Unternehmen rechnen mit negativen Auswirkungen durch den Brexit.

Die Briten wollen raus aus der EU, so haben sie in einer knappen Mehrheit in einem Referendum am Donnerstag entschieden. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind enorm. Wir zeigen einen Überblick.

Auch am Wochenende nach dem Referendum gibt es Turbulenzen am Aktienmarkt. „Das Votum ist ein Schock und straft alle Marktteilnehmer, die bereits im Lauf der Woche auf einen Verbleib der Briten gesetzt hatten“, zitiert das Handelsblatt Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer der Deutschen Asset Management.

An den Börsen weltweit waren die Auswirkungen zu spüren. Offenbar ist die Furcht groß, dass es zu einer weltweiten Krise kommen könnte. Allein in Deutschland sank der Dax drastisch, ähnlich wie im Krisenjahr 2008. Ebenfalls gab es Kursrutsche in Frankreich, der Schweiz und sogar Japan. Wie das Handelsblatt berichtet, stand der Dax bei Handelsende am Freitagabend bei 9.557, immerhin Verluste von fast sieben Prozent. Wie geht es weiter? Zwar warnen Finanzmarktexperten weltweit für Panikreaktionen, befürchten aber eine längerfristige negative Entwicklung.

Turbulenzen an der Börse

Klar ist schon jetzt, dass das britische Pfund bestimmt für Wochen und Monate einen niedrigen Kurs haben wird. Besonders treffen wird das die deutschen Unternehmen, die auf dem britischen Markt aktiv sind. Die FAZ berichtet in einem Überblick, wie sich die Lage entwickeln könnte.

Demnach arbeiten gut 400.000 Menschen in Großbritannien in Niederlassungen deutscher Unternehmen, betroffen sind laut der Zeitung der Energiesektor, die Telekommunikationsbranche, die Hersteller von Elektronik, die Metallproduktion, der Einzelhandel und Finanzdienstleister. Im Maschinenbau rechnet man laut der Zeitung bereits mit einem spürbaren Rückgang, immerhin ist Großbritannien für die Branche ein großer Absatzmarkt. Gut 7,2 Milliarden Euro Umsatz erzielen die deutschen Unternehmen dieser Branche dort. Viele Firmen haben zudem Töchter auf der Insel. Noch ist unklar, welche Auswirkungen der EU-Austritt haben wird. Kein Wunder, dass gefordert wird, die Verhandlungen möglichst schnell anzugehen, damit die Wirtschaft Planungssicherheit hat.

Besonders betroffen sind der Agentur Reuters zufolge der Automobilhersteller BMW, der alle seine drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce im Vereinten Königreich produzieren lässt. Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen in Großbritannien. Allein 1.200 Beschäftigte zählt das Rolls-Royce-Werk in Goodwood. Laut Reuters hält sich BMW derzeit bedeckt – und wartet zunächst ab, wie sich die Rahmenbedingungen für den Austritt gestalten werden. Mehr als 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat auch der Konzern Bosch auf der britischen Insel. Auch hier wartet das Management erst einmal ab.

Im Energiebereich ist Siemens in Großbritannien tätig – mit gut 1.000 Beschäftigten. Der Konzern befürchtet, dass mit dem Brexit künftige Investitionsengagements betroffen sein werden. Immerhin hatte sich das Management vor der Abstimmung an seine Beschäftigten gewendet und erklärt, dass man an dem Standort zunächst festhalten wolle, auch wenn es zum Brexit käme.

Auch die Energieunternehmen E.ON und RWE beschäftigen Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in UK – größtenteils allerdings in eigenen Töchtern. Daher heißt es laut Medienberichten, würden die Energiekonzerne zunächst keine negativen Auswirkungen befürchten.

Die Deutsche Bahn beschäftigt sogar 33.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denn die Bahn kaufte 2010 den Nahverkehrsbetreiber Arriva. Geplant war außerdem ein möglicher Börsengang. Dieser Plan dürfte nun gefährdet sein.

Fusion von Deutsche Börse und London Stock Exchange gefährdet

Stark betroffen ist auch auch die Deutsche Post, die ebenfalls mehrere Tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Insel hat, seit sie vor einigen Jahren das britische Logistikunternehmen Exel sowie den Postdienstleister Williams Lea gekauft hatte. Außerdem hat sie Verteilungszentren auf der Insel und mehrere Niederlassungen. Auch hier will das Management erst einmal abwarten, aber auch hier rechnet man mit möglichen negativen Auswirkungen.

Am stärksten wird wohl die Deutsche Börse betroffen sein. Denn die geplante Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) dürfte mit dem Brexit erst einmal auf Eis gelegt werden. Eigentlich sollte das Unternehmen nach der Fusion in London angesiedelt sein – das macht natürlich keinen Sinn mehr, wenn Großbritannien nicht mehr zur EU gehört. Mehr noch: Es ist davon auszugehen, dass es zu großen Veränderungen am Finanzstandort London kommen wird, der sich möglicherweise Richtung Frankfurt am Main verschieben könnte. Denn die EU könnte künftig   die Abwicklung von Euro-Derivaten in London verbieten.

Auch die Deutsche Bank wird vom Brexit betroffen sein. Sie hat gut 8.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vereinten Königreich. Im Vorfeld vor dem Referendum ließ das Management verlauten, dass der Ausstieg Großbritanniens aus der EU aus Sicht des Unternehmens negative Auswirkungen für alle Beteiligten habe.

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