Die Lohnlücke für Frauen wird kleiner

Selbst bei einer bereinigten Lohnlücke zwischen den Geschlechtern von 5,5 Prozent müssen Frauen enorme Verluste bis zur Rente hinnehmen.

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Selbst bei einer bereinigten Lohnlücke zwischen den Geschlechtern von 5,5 Prozent müssen Frauen enorme Verluste bis zur Rente hinnehmen.

Erst am Samstag demonstrierten zahlreiche Aktivistinnen, Politikerinnen und Gewerkschaftlerinnen anlässlich des Equal Pay Days aufgrund der Lohnungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern. Denn hierzulande verdienen Frauen 21 Prozent weniger Gehalt als Männer.

Oder anders ausgedrückt: Für jeden Euro, den ein Mann in Deutschland als Gehalt bekommt, erhält eine Frau nur 78 Cent. Bevor die Trolle ihre Wutkommentare in unser Blog hacken: Die 21 Prozent beziffern nur den unbereinigten Gender Pay Gap. Für diese Zahl werden die Einkommen der Frauen in Vollzeit mit denen der Männer in Vollzeit verglichen. Und klar, für die Unterschiede sind dann auch schnell Erklärungen gefunden: Weil Frauen häufiger in Berufen und Branchen arbeiten, in denen das Gehaltsniveau niedriger ist als in klassischen Männerdomänen, sei es kein Wunder, dass die Frauengehälter im Durchschnitt geringer ausfielen, heißt die gängige Argumentation.

Die Wahrheit ist aber auch: Frauen kommen seltener in Führungspositionen. In klassischen Frauendomänen und im Niedriglohnsektor, wo ein Großteil der Beschäftigten weiblich ist, gibt es nur wenig Tarifbindung. Auch das beeinflusst das Gehaltsniveau. Und es gibt das Phänomen der Feminisierung von Berufen – mit dem Anteil der Frauen in einem Berufsfeld sinken die Gehälter, die Beschäftigungssicherheit und das Ansehen. (Der Journalismus ist hierfür ein gutes Beispiel.)

Und dann gibt es ja noch die bereinigte Lohnlücke. Vergleicht man nämlich nur die Gehälter von Männern und Frauen mit gleichem Alter, vergleichbarer Erfahrung und Ausbildung, gleicher Tätigkeit beim gleichem Arbeitgeber miteinander, bleibt immer noch ein Unterschied. Aber hier die gute Nachricht: Diese Differenz ist nach einer neuen Studie der Job- und Karriereplattform Glassdoor offenbar etwas niedriger als bisher erfasst. Im Schnitt bekommen Frauen hierzulande 5,5 Prozent weniger Gehalt, ohne dass sich dieser Unterschied zu den Männergehältern erklären ließe, so diese Untersuchung. Laut Statistischem Bundesamt hatte diese Differenz bisher fast acht Prozent betragen.

Gender Pay Gap bedeutet enorme Verluste bis zur Rente

5,5 Prozent klingen wenig, bezogen auf ein Arbeitsleben kommen allerdings erhebliche Summen zusammen. Ein Beispiel: Bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 5.000 Euro sind das immerhin 275 Euro weniger Gehalt für eine Frau. Das heißt, sie verliert pro Jahr 3.300 Euro – 33.300 Euro immerhin in zehn Jahren und ganze 148.500 Euro in einem ganzen Arbeitsleben mit 45 Rentenbeitragsjahren.

Ich finde: Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit. Denn diese Differenz kann letztlich nur mit einer bewussten oder unbewussten geschlechtsspezifischen Diskriminierung zu tun haben. Die in der Studie berücksichtigten Daten umfassen einen Großteil von gehaltsrelevanten Faktoren – wie etwa die Anzahl der zu führenden Mitarbeiter oder die Frage, wie viele Überstunden geleistet werden. Das heißt: Die schlechtere Bezahlung der Frauen liegt nicht etwa daran, dass die Männer bei den renommierteren Arbeitgebern arbeiten und mehr (bezahlte) Überstunden machen. Vielmehr muss man davon ausgehen, dass Frauen schlicht aufgrund ihres Geschlechts und den damit verbundenen Rollenerwartungen weniger Gehalt bezahlt wird. Als Arbeitnehmervertreterin kenne ich solche Berichte nur allzu gut. Während Frauen von manchen Arbeitgebern ein gut verdienender Ehemann als Gegenargument für eine Gehaltserhöhung vorgehalten wird, habe ich noch nie von einem Mann gehört, dem die Chefin entgegnete: “Sie brauchen doch gar nicht mehr Geld. Ihre Frau verdient ja gut.”

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