Was die Frauenförderung bringt

Was bringt die Frauenförderung?

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Was bringt die Frauenförderung?

Darüber habe ich kürzlich für ZEIT ONLINE geschrieben. Immerhin entscheiden vor allem Beziehungen und Kontakte über die Karriere. Nur etwa ein Drittel aller Stellen in deutschen Unternehmen wird Studien zufolge überhaupt öffentlich ausgeschrieben, zwei Drittel werden innerbetrieblich oder über Kontakte vergeben. Und je höher man kommt, desto schwieriger wird es, besonders für Frauen. Denn Kandidatinnen und Kandidaten für Führungsjobs werden häufig auf informellem Wege auserkoren. Im Vorteil ist, wer Zugang zu den sogenannten Old Boys’ Networks hat.

Frauen sind hier eher selten “Mitglied”. Denn solche Netzwerke beruhen auf Sympathie und Ähnlichkeit. Chefs mögen Nachwuchs, der ihnen selbst ähnlich ist. Ältere Männer fördern deshalb lieber jüngere Männer als junge Frauen.

Um diese Systematik zu unterbrechen, setzen viele Unternehmen auf Frauenförderung. Auch, um die Damen für Führungsaufgaben zu gewinnen. Zwar zielt ein Gros der Maßnahmen auf Berufsanfängerinnen ab. Die Firmen Bosch, Siemens, die Telekom, Daimler und die Lufthansa etwa versuchen schon Studentinnen für MINT-Jobs zu interessieren.

Bei der Unternehmensberatung McKinsey geht es dagegen um Führungspositionen generell. Das Projekt Female Leadership Program vermittelt Partnerinnen als Mentorinnen an Einsteigerinnen. So sollen die jungen Frauen auf eine Karriere als Führungskraft in der Wirtschaft vorbereiten werden – nebst Aufbau eines Netzwerks an karriereentscheidenden Kontakten.

Frauenfreundliches Image

Ein frauenfreundliches Arbeitgeberimage bringen solche Programme den Unternehmen auf jeden Fall. Aber was ist mit den Frauen, die bereits bei den Unternehmen tätig sind? An sie richten sich interne Fördermaßnahmen, über die nur wenig öffentlich berichtet wird.

Etwa bei der Commerzbank, bei der es seit den neunziger Jahren als einem der ersten Unternehmen in Deutschland gezielte Frauenförderung gibt. Damit hat sich die Bank von anderen Arbeitgebern abgegrenzt. Der frauenfreundliche Ruf war ein Grund dafür, dass gefragte Bankerinnen sich für einen Job bei der Commerzbank entschieden. Ein unternehmensinternes Mentoringprogramm bringt hier den entscheidenen Schub. Mehr als 600 Führungsfrauen haben innerhalb des Unternehmens bereits am Mentoringprogramm teilgenommen. Die Bank bewertet das als Erfolg: Bereits im Sommer 2014 waren rund 28 Prozent Frauen in Führungspositionen, 2015 will man die 30-Prozent-Marke schaffen.

Ins Absewits gefördert?

Aber hilft das am Ende wirklich? Erst im Sommer 2014 kam eine Studie zu dem Schluss, dass Frauenförderprogramme, die vor allem auf das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf abzielen, eher als Karrierekiller für die geförderten Frauen wirken. “Die Frauen stecken in Development- und Coachingprogrammen, während Männer die Jobs bekommen”, sagt Petra Seisl, eine der Autorinnen der Studie. Seisl und Andrea Gutmann, zwei Wirtschaftswissenschaftlerinnen, hatten für die Studie Interviews mit 60 Experten, Managern und Personalverantwortlichen über die Wirksamkeit solcher Programme geführt.

Seisl sagt, gefragt seien ganzheitliches Denken und ein Wertewandel in den Unternehmen, den auch die junge Generation immer stärker einfordere. Es fehle eine Just-Do-it-Mentalität. Stattdessen gebe es noch eine zu starke Ausrichtung an Normen, Regeln und formalen Anforderungen. Viele Frauen schafften es nicht einmal ins Mittelmanagement. Fehlen sie hier, können sie sich auch nicht als Kandidatinnen fürs Topmanagement ins Spiel bringen. Dann heißt es: Es gibt keine geeigneten Frauen.

Ein Argument, das eine Reihe Mitarbeiterinnen bei der Linde AG in Pullach bei München nicht gelten lassen wollen. Sie haben selbst ein Frauenprojekt ins Leben gerufen. Kaleidoskop-Initiative nennt sich das Programm, an dem Führungsfrauen, Einsteigerinnen und Expertinnen aus den verschiedensten Abteilungen und Ebenen mitarbeiten. Die Frauen organisieren Mittagsstammtische, die der Vernetzung untereinander dienen und bei denen sich die Mitarbeiterinnen austauschen. Die Initiative lädt zudem externe Expertinnen zu Vorträgen ein, die als Weiterbildungs- und Netzwerkveranstaltung für alle Mitarbeiter offen sind. Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Vielfalt in Unternehmen sind die Themen. Nach nur kurzer Zeit hat das Management den Wert der Initiative erkannt und fördert das Projekt.

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