„Der Schlüssel zum Erfolg ist das Zuhören“

Frank Bauer

"Ich bin auch an die berühmte gläserne Decke gestoßen", so Alexandra Borchardt.

Alexandra Borchardt ist Journalistin, Buchautorin sowie Director of Strategic Development am Reuters Institute for the Study of Journalism an der University of Oxford. Ihr Schlüssel zum Erfolg: das Zuhören. Denn nur wer herausfindet, was Mitarbeiter und Kunden bewegt, wie Chefs ticken, die Welt sich verändert und Dinge zusammenhängen, kann etwas zum Positiven bewegen.

Die Autorin des Buches Mensch 4.0 – Frei bleiben in einer digitalen Welt war Chefin vom Dienst der Süddeutschen Zeitung, wo sie zwölf Jahre lang in leitenden Funktionen tätig war. Dort entwickelte sie auch das preisgekrönte Wirtschaftsmagazin „Plan W – Frauen verändern Wirtschaft“. Sie hat einen Lehrauftrag am Lehrstuhl für Strategie und Organisation der TU München mit dem Schwerpunkt „Leadership and Strategy in the 21st Century“ und unterrichtet “Digitalisierung und die Medienbranche” am College des Ingenieurs. Sie schreibt unter anderem für das globale Meinungsportal „Project Syndicate“. Alexandra Borchardt hält einen Ph.D. in Political Science von der Tulane University, New Orleans, und hat ein General Management Programm an der IESE Business School absolviert. Sie lebt in Oxford und mit ihrem Mann und zwei Kindern im Umland von München.

die Chefin: Warum machen Sie, was Sie machen?

Alexandra Borchardt: Weil es mich danach drängt, Menschen und die Welt zu verstehen. Es macht mir Freude, meine Erkenntnisse an andere weiterzugeben, um damit hoffentlich etwas zu bewirken. Deshalb schreibe ich, halte Vorträge, unterrichte, entwickle Weiterbildungen für Führungskräfte, habe 15 Jahre lang selbst geführt und rufe immer zurück, wenn jemand ein bisschen Karriere-Coaching braucht.

die Chefin: Wurden Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

Borchardt: Ohne Unterstützung geht gar nichts. Man braucht immer Menschen, die einem etwas zutrauen, etwas anvertrauen, einem vertrauen und die sich dann mit einem gemeinsam über Erfolge freuen können und einen bei Rückschlägen ermutigen. Zum Glück hatte ich einige sehr gute Chefs (darunter eine Chefin), zu einigen von denen halte ich bis heute Kontakt. Wobei ich von den schlechten Chefs auch viel gelernt habe, nämlich wie man es keinesfalls machen sollte. Die haben mir viel Stoff für mein Leadership Seminar an der Uni geliefert. Und auch wenn das kitschig klingt: Am stärksten hat mich in den mehr als zwei Jahrzehnten Berufsleben mein Mann unterstützt – als Zuhörer, Ratgeber, Kritiker, Vorbild und Säule unserer Familie.


In der Serie 6 aus 49 beantworten 49 weibliche Führungskräfte sechs Fragen zu ihrem persönlichen Karriereweg.


die Chefin: Gab es auf diesem Weg Hürden?

Borchardt: Jede Menge, aber zum Glück keine, die mich aus der Bahn geworfen hat. Natürlich habe ich nicht jede Traum-Stelle bekommen oder wollten mir Kollegen mal ein Bein stellen. Ich bin auch an die berühmte gläserne Decke gestoßen, aber dann muss man, um bei diesem etwas strapazierten Bild zu bleiben, eben mal das Gebäude verlassen und es anders oder anderswo versuchen. Mein Rat ist, sich nicht zu sehr auf ein Ziel festzulegen. Wenn man das tut, übersieht man mit Sicherheit die eine oder andere schöne Abzweigung, die das Leben bereichert und einem neuen Schwung gibt, wenn man irgendwo feststeckt.

die Chefin: Auf welche Ihrer Eigenschaften sind Sie stolz und warum?

Borchardt: Ich denke gerne, schnell und strukturiert, und empfinde es als Privileg, dafür bezahlt zu werden. Aber auf das, was die Natur einem an Talenten und Eigenschaften mitgegeben hat, kann man nicht wirklich stolz sein, das sind Geschenke. Ebenso glückliche Umstände, wenn man in solche hineingeboren wurde. Eher stolz bin ich auf das, was mir nicht so zugefallen ist: den Mut zum Risiko, die Fähigkeit, Rückschläge wegzustecken, eine gewisse Gelassenheit, die ich mir erarbeiten musste. Besonders stolz bin ich aber auf die Beziehungen und Freundschaften, die mich durchs Leben begleiten und tragen. Wenn man so viel zurückbekommt, muss man ja den anderen irgendwann auch irgendetwas gegeben haben.

die Chefin: Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Borchardt: Der kam von meinem Mann. Früher habe ich bevorzugt das gemacht, was ich gut konnte und alles abgelehnt, was ich mir nicht sofort zugetraut habe, zum Beispiel öffentliche Auftritte. Als ich bei einer Anfrage, ob ich eine Keynote halten könne, wieder einmal sofort eine Kollegin empfehlen wollte, sagte er zu mir: „Sage nicht immer alles ab. Mache es, du kannst dabei nur lernen.“ Seitdem habe ich nichts mehr abgesagt, was ich mir inhaltlich und terminlich vorstellen konnte und dabei unglaublich viel erfahren und ein großes Netzwerk geknüpft. Zum Glück hatte ich damals nicht gewusst, dass ich vor 1.000 Zuhörern sprechen musste …

die Chefin: Was raten Sie dem Nachwuchs?

Borchardt: Lerne dich selbst gut kennen, deine Talente aber auch deine Schwächen. Und dann achte darauf, dass du deine Talente einsetzen kannst. Aber teste auch immer mal wieder Neues und Dinge, die dir vielleicht schwerer fallen. Vor allem dann, wenn es unbequem wird, kann man dazulernen und sich weiterentwickeln.

Mein Rat an Chefinnen: Der Schlüssel zum Erfolg ist das Zuhören. Nur wer herausfindet, was seine Mitarbeiter und Kunden bewegt, wie die Vorgesetzten ticken, wie sich die Welt um einen herum verändert und wie die Dinge zusammenhängen, kann etwas zum Positiven bewegen. Und ganz wichtig: Mache wichtige Lebensentscheidungen, zum Beispiel die der Familienplanung, nie abhängig von einer Firma oder gar einem Vorgesetzten. Am Ende wird es dir niemand danken. Es ist dein Leben.

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