Der Gender Pay Gap bleibt ein Skandal

Rechnerisch arbeiten Frauen in Deutschland bis zum 18. März umsonst. Dieser Tag markiert den Equal Pay Day.

Unsplash / Corinne Kutz

Rechnerisch arbeiten Frauen in Deutschland bis zum 18. März umsonst. Dieser Tag markiert den Equal Pay Day.

Am 18. März ist wieder einmal Equal Pay Day. Bis zu diesem Tag arbeiten Frauen in Deutschland durchschnittlich umsonst.

In dieser Woche wurden die neuen Zahlen zum Thema Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen in Deutschland bekannt gegeben. Danach stagniert der sogenannte Gender Pay Gap – also die unbereinigte Lohnlücke zwischen den Geschlechtern – weiterhin bei 21 Prozent. Das entspricht einer durchschnittlichen Differenz von jährlich 3.700 Euro, so der Deutsche Gewerkschaftsbund, der Sozialverband Deutschland und der Deutsche Frauenrat. Deutschland befindet sich mit dieser Lohnlücke seit Jahren unter den Schlusslichtern in der EU.

Beim unbereinigten Gender Pay Gap werden die Gehälter von allen arbeitenden Frauen mit denen von allen in Vollzeit arbeitenden Männern verglichen. Und auch der bereinigte Gender Pay Gap ist kaum kleiner geworden, er beträgt immer noch sechs Prozent. Zum Vergleich: In den Jahren zuvor lag er bei sieben bis acht Prozent. Bei dieser Zahl werden nur Männer und Frauen miteinander verglichen, die die gleiche Qualifikation, Erfahrung und Tätigkeit haben und ebenfalls Vollzeit arbeiten. Teilzeitarbeit kann insofern als Argument für die Gehaltsunterschiede nach der Statistik nicht herangezogen werden. Erstaunlich, dass dennoch immer wieder in der Berichterstattung über die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern die Rede von den viel Teilzeit arbeitenden Frauen ist.

Teilzeitarbeit ist nur eine indirekte Ursache

Natürlich haben Jahre der Teilzeitarbeit aber durchaus einen Effekt auf das Gehalt: Weil in Teilzeit die generellen Karrierechancen schlechter sind, der Zugang zu Weiterbildungen und verantwortlichen Tätigkeiten und Projekte oft nicht gegeben ist, wirft Teilzeitarbeit die Beschäftigten in ihrer beruflichen Laufbahn zurück. Selbst, wer später wieder Vollzeit arbeitet, hat es schwer, sein Gehalt angemessen nachzuverhandeln.

So oder so gilt: Es muss sich dringend etwas ändern. Denn das Einkommen entscheidet maßgeblich über Lebens- und Teilhabechancen. Und wer weniger Geld verdient, ist entsprechend stärker begrenzt. Daran wird auch das Entgeltgleichheitsgesetz kaum etwas verändern – auch wenn es ein guter und richtiger Anfang ist.

Zum Equal Pay Day sind daher bundesweit Aktionen, Kundgebunden und Demonstrationen geplant. Und glücklicherweise beteiligen sich im zehnten Jahr auch viele wichtige Organisationen und MultiplikatorInnen an dem bundesweiten Aktionstag. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) etwa machte im Vorfeld auf Lohnunterschiede an deutschen Schulen aufmerksam. An Grundschulen unterrichteten zu 90 Prozent Frauen. Sie verdienten jedoch deutlich weniger Geld als ihre Kolleginnen und Kollegen an anderen Schulformen. Rechtsgutachten bestätigten, dass die schlechtere Besoldung an Grundschulen Frauen mittelbar diskriminiere und damit gegen das Gleichstellungsgebot des Grundgesetzes verstoße.

Politikerinnen wollen sich für stärkere Gesetze einsetzen

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) kündigte an, Frauen die Rückkehr von einer Teilzeitstelle in einen Vollzeitarbeitsplatz erleichtern und so den Lohnabstand zwischen Männern und Frauen verringern zu wollen. Ein entsprechendes Gesetz ist in Vorbereitung. Und Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) verwies auf das im Januar im Bundeskabinett verabschiedete Entgelttransparenzgesetz. Sie sagt: “Wir brauchen Transparenz über die Löhne und Gehälter, wenn wir wollen, dass Frauen und Männer bei der Bezahlung nicht gegeneinander ausgespielt werden.” Gleicher Lohn auch für gleichwertige Arbeit – das müsse letztlich endlich auch gesetzlich verankert werden.

Die Grünen dagegen kritisierten das geplante Lohngleichheitsgesetz als “Trostpflaster”. Die Regelung, über die derzeit im Bundestag beraten wird, schaffe weder Transparenz noch Lohngerechtigkeit. Nur 40 Prozent der berufstätigen Frauen würden darüber Transparenz einfordern können und müssten zudem immer noch individuell vor Gericht gerechte Bezahlung einklagen.

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