„Den größten Lernbedarf haben Führungskräfte“

"Durch die Digitalisierung haben wir Möglichkeiten, Lernen ortsunabhängig zu gestalten", so Martina Nieswandt.

Denkwerkstatt für Manager

"Durch die Digitalisierung haben wir Möglichkeiten, Lernen ortsunabhängig zu gestalten", so Martina Nieswandt.

Alle sind sich einig, lebenslanges Lernen ist die Wunderwaffe, um mit der sich rasant verändernden Arbeitswelt Schritt halten zu können. Martina Nieswandt weiß, wie man Mitarbeiter und Unternehmen motiviert, sich dieser Herausforderung zu stellen.

Martina Nieswandt ist Gründerin und Geschäftsführerin der Denkwerkstatt für Manager. Mit ihren Kunden entwickelt sie seit 1986 als Beraterin, Managementtrainerin und Coach individuelle Strategien, Konzepte und Maßnahmen in den Bereichen Digitalisierung, Unternehmensstrategie, Management- und Teamentwicklung, First-Mover-Projekte, Potenzialanalyse, Kulturveränderung und Moderation.

die Chefin: Lebenslanges Lernen klingt beängstigend. Wie stelle ich mich dieser Herausforderung?

Martina Nieswandt: Wieso klingt das „beängstigend“? Lernen an sich ist doch etwas sehr positives: Wir entwickeln uns dabei weiter und werden geistig immer wieder herausgefordert. Das ist sicher nicht immer bequem. Allerdings sind geistige (zu bewältigende) Herausforderungen auch Gesundheitsvorsorge. Jedoch haben sich die Rahmenbedingungen geändert. So ist es nicht immer sinnvoll, dass Qualifizierungen in einem weit vom Arbeitsplatz entfernten Ort stattfinden – entscheidend ist hierbei das Thema.

“Wir müssen das Lernen neu denken und es (wieder) zu einer wertvollen Maßnahme machen”

Durch die Digitalisierung haben wir Möglichkeiten, Lernen ortsunabhängig zu gestalten und viele Menschen in einer kurzen Zeit zu erreichen. Die Kombination aus Lernen in der digitalen Welt und Lernen in der Begegnung bietet dabei eine große Chance, zu einem noch besseren Lernen. Daher müssen wir das Lernen neu denken und es (wieder) zu einer wertvollen Maßnahme machen, die geschätzt wird. Dann fällt es uns auch nicht schwer, uns der lebenslangen Herausforderung zu stellen.

die Chefin: Wie?

Nieswandt: Indem Mitarbeiter Erlerntes sofort am Arbeitsplatz anwenden. Wichtig ist zudem, dass Lernprogramme nicht nur den aktuellen Lernbedarf berücksichtigen, sondern vor allem auch den zukünftigen. Diese Perspektive motiviert Mitarbeiter zum Lernen.

die Chefin: Bei den vollgepackten Arbeitstagen bleibt doch aber kaum Zeit.

Nieswandt: Daher müssen Unternehmen ihren Mitarbeitern Zeit zum Lernen geben. Ziel darf nicht sein, die Verantwortung allein an Arbeitnehmer abzugeben und sie in ihrer Freizeit lernen zu lassen. Einerseits ist diese zur Erholung da, andererseits sollte Erlerntes zeitnah in der Praxis angewandt werden. Aber auch ich als Mitarbeiter habe eine Selbstverantwortung. Es sollte auch in meinem Interesse sein, fit für den Arbeitsmarkt sowie für neue berufliche Herausforderungen gewappnet zu sein. So bin ich nicht nur auch zukünftig als Arbeitskraft gefragt, sondern habe auch die Chance auf interessante Stellen.

“Wir brauchen beides: Die Unterstützung durch den Arbeitgeber sowie die Selbstverantwortung von Mitarbeitern”

Es ist schon erstaunlich, dass sich (fast) jeder schnell in die neuesten und komplexesten Smartphones reinfuchst – vorausgesetzt es handelt sich um das private Smartphone. Doch für die berufliche Nutzung von Outlook wird ein 2-Tagesseminar benötigt. Wir brauchen also beides: Die Unterstützung durch den Arbeitgeber sowie die Selbstverantwortung von Mitarbeitern, die gegebenenfalls. auch private Zeit in ihre Weiterbildung investieren.

Verstehen Unternehmen dabei das Lernen als Gemeinschaftsaufgabe und lassen Teams gemeinsam lernen, lernen Mitarbeiter aufgrund der verschiedenen Perspektiven und Herangehensweisen schneller und besser.

die Chefin: Dafür müssen Unternehmen und Führungskräfte umdenken, was vielen nicht leicht fällt.

Nieswandt: Die höchste Lernbereitschaft liegt vor, wenn der Lernende den Nutzen für sich erkennt und das zu Lernende so aufbereitet ist, dass es spannend und anwendbar ist. Daher ist es Aufgabe der Unternehmen und Führungskräfte, ihnen diesen Nutzen aufzuzeigen sowie die jeweiligen Lernmethoden und -wege sinnvoll auszuwählen. Das heißt, jeder Mitarbeiter sollte mit entscheiden können, wann er lernt, wie er lernt, wie schnell er lernt und mit wem er lernt – natürlich unter Berücksichtigung des Unternehmensinteresses, dieses bezahlt schließlich das Ganze.

Unternehmen müssen dabei die Arbeit und das Lernen zusammenbringen. Die Zeiten dafür waren nie besser. Gerade die technischen Möglichkeiten unterstützen uns dabei, das Lernen stark zu individualisieren. Den größten Lernbedarf haben dabei jedoch die Führungskräfte, die das Lernen ihrer Mitarbeiter als ihre wichtigste Aufgabe verstehen müssen. Und hier besteht noch Nachholbedarf!

Passend zum Thema