Chefinnen wurden als Kinder oft gemobbt

Führungsfrauen haben als Kinder oft Diskriminierungserfahrung gemacht – doch genau das machte sie stark.

Unsplash/ Rawpixel

Führungsfrauen haben als Kinder oft Diskriminierungserfahrung gemacht – doch genau das machte sie stark.

Was zeichnet Frauen aus, die es bis ganz an die Spitze schaffen? Sie haben als Kinder oft Ausgrenzung erfahren. Und Resilienz entwickelt. Das zeigt eine neue Studie.

Was verbindet Frauen, die es in München und Oberbayern an die Spitze von Unternehmen geschafft haben oder sogar selbst erfolgreich Unternehmen gegründet haben und diese führen? Das wollte die IHK München und Oberbayern wissen und hat in einer Studie untersuchen lassen, wie sich Männer und Frauen beim Gründen und Führen von Unternehmen unterscheiden. Dazu wurden cirka 400 Unternehmerinnen und Unternehmen aus Oberbayern befragt, die seit mindestens fünf Jahren erfolgreich ein Unternehmen führen. Außerdem wurden 30 qualitative Interviews mit Führungsfrauen sowie zehn weitere mit Unternehmern geführt. Durchgeführt haben die Studie die beiden Forscherinnen Claudia Eckstaller von der Hochschule München und Hildegard Macha von der Universität Augsburg.

Herausragend ist die Erkenntnis, dass alle Unternehmerinnen schon als Mädchen die Erfahrung gemacht haben, dass sie ausgegrenzt wurden. Meist, weil sie sich nicht gemäß des Geschlechterklischees verhalten haben. Sie waren zu klug, zu talentiert, zu forsch. Viele von ihnen haben bereits als Kinder die traditionelle Rollenzuschreibung infrage gestellt, einige sogar aktiv dagegen rebelliert. So lernten sie ihre eigene Selbstwirksamkeit früh kennen und entwickelten Freude an der eigenen Kompetenz. Das hat ihr Selbstbewusstsein gestärkt.

Außerdem eint die befragten Führungsfrauen, dass sie – sofern sie vorher angestellt in einem Unternehmen waren – sehr steil und früh den Aufstieg geschafft haben, bis sie an die gläserne Decke stießen. Alle Befragten gaben auch an, dass sie schnelles entscheiden und handeln mögen – und das geht in der Arbeitswelt oft als Chefin am Besten.

Angestelltenverhältnis machte sie unglücklich

Und was unterscheidet Frauen und Männer als UnternehmerInnen? Gar nicht mal so viel. Die Frauen sind im Schnitt formal besser ausgebildet. Sie werden angetrieben von Leidenschaft für die Unternehmensidee, Macht ist ihnen nicht so wichtig. Den Männern übrigens auch nicht. Das Kriterium Macht spielt bei beiden Geschlechtern eine marginale Rolle- Den Männern geht es allerdings häufiger ums Risiko – sie lieben die Herausforderung. Frauen hingegen finden es gut, dass sie als Chefin und Unternehmerin ihre Kreativität ausleben können. Beide Geschlechter eint, dass sie die Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit lieben. Wenn sie vorher angestellt waren, dann stellt die Unternehmensgründung auch eine Art Befreiungsschlag für sie dar. Bei den Frauen ist die Unzufriedenheit mit dem Angestelltenverhältnis leicht stärker ausgeprägt als Gründungsmotiv als bei den Männer.

Überraschend ist, dass Frauen häufiger als Männer ein Familienunternehmen wegen der Tradition fortführen. Häufig waren diese Töchter gar nicht für die Unternehmensnachfolge vorgesehen, aber weil der Bruder kein Interesse hatte, traten sie aus der zweiten Reihe hervor und übernahmen die Firma.

Und noch etwas haben Macha und Eckstaller in ihrer Untersuchung herausgefunden: Frauen mögen transformative Führung. Flache Hierarchien, Freiheit zur Gestaltung geben und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Visionen geben – das scheint für viele Führungsfrauen attraktiv zu sein. Wie gut, dass mit der Digitalisierung der transformative Führungsstil immer verbreiteter wird. Die Zukunft ist also weiblich, sie gehört den Frauen.

Passend zum Thema