Bundesregierung geht auch ohne viele Frauen

Auch im vierten Kabinett von Angela Merkel ist der Frauenanteil in Führungspositionen nur gering.

Unsplash / Robin Spielmann

Auch im vierten Kabinett von Angela Merkel ist der Frauenanteil in Führungspositionen nur gering.

Nicht nur im Kabinett, auch in den Führungspositionen der Bundesministerien ist der Frauenanteil gering. Und das nicht nur in dieser Legislaturperiose, zeigt eine Antwort der Bundesregierung auf Anfragen der Grünen im Bundestag.

Demnach waren Anfang 2014 rund 26 Prozent der Bundesminister, Staatsminister, Staatssekretäre und Abteilungsleiter Frauen. 2018 sind rund 29 Prozent weiblich. Das sei zwar ein geringer Anstieg, allerdings hatte die Bundesregierung sich zum Ziel gesetzt, beide Geschlechter bis zum Jahr 2025 gleichberechtigt an Führungspositionen in der Bundesverwaltung zu beteiligen.

Auf Grünen-Anfrage listete das Bundesinnenministerium nun die Zahl der Staatsminister, der Parlamentarischen und beamteten Staatssekretäre sowie der Abteilungsleiter der 14 Fachministerien nach Männern und Frauen getrennt für März 2014 und Ende März 2018 auf. Das Bild ist, auch wenn noch einzelne Posten nicht besetzt sind, eindeutig: Berücksichtigt man auch das Kanzleramt (ohne die Chefin selbst), standen im Jahr 2014 144 Herren 50 Damen gegenüber, aktuell sind es 139 Männer zu 57 Frauen. Gleichberechtigte Teilhabe sieht anders aus.

Auf AbteilungsleiterInnenebene zeigt sich ein ähnliches Bild: 2014 waren hier 91 Männer und 27 Frauen zu finden, jetzt sind es 81 Männer und 33 Frauen. Immerhin: Bei den MinisterInnen hat sich etwas getan. Von 15 Bundesministern sind sechs weiblich.

Erst kürzlich hatte ein Bild von Horst Seehofers Führungsteam im Innenministerium für Aufsehen gesorgt: Hier war gar keine Frau zu sehen. Nachdem es sehr viel Kritik an der Veröffentlichung gab, wurde das Foto kurzerhand einfach ausgetauscht.

FDP droht sich selbst mit Frauenquote

Unterdessen will sich die FDP nach eigenen Angaben von innen heraus erneuern – und weiblicher werden. 30 Prozent Frauen auf Bundes- und Landesebene will sich die Partei zum Ziel setzen. Aktuell beträgt der Frauenanteil knapp 22 Prozent. Unter jenen, die neu in die FDP eintreten, ist nicht einmal jeder Fünfte eine Frau. Im Präsidium der Partei sitzen 15 Männer und drei Frauen.

In einer Beschlussvorlage mit dem Titel Mehr Chancen durch mehr Vielfalt – Bildung einer Ad-hoc-Arbeitsgruppe Diversity Management sollen Medienberichten zufolge 13 Maßnahmen aufgeführt sein, unter anderem die Einführung einer Quote. Bislang wurde dieses Instrument von den Liberalen vehement abgelehnt. Entsprechend sieht der nun diskutierte Vorschlag eine sogenannte “Fallbeil-Quote” vor: Wenn die Selbstverpflichtung, den Frauenanteil zu erhöhen, nicht erfüllt wird, soll eine Frauenquote gelten. Die Quote als drohendes Sanktionsmittel sozusagen. Allerdings würde die Quote dann wieder unwirksam werden, sobald 30 Prozent Frauenanteil erreicht sind.

Natürlich dürfen auch weitere Standards der Frauenförderung nicht fehlen wie beispielsweise Mentoringprogramme und eine besondere Ansprache von Frauen. Dafür erwägt die Partei  spezifische Kampagnen zur Gewinnung weiblicher Mitglieder. Auch eine Aufwertung von familien- und frauenpolitischer Themen ist im Gespräch.

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