Auffällig viele Psychopathen in Spitzenpositionen

In Führungspositionen sind Studien zufolge auffällig viele Menschen mit Persönlichkeitsstörungen zu finden.

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In Führungspositionen sind Studien zufolge auffällig viele Menschen mit Persönlichkeitsstörungen zu finden.

Psychopathen – das klingt zunächst einmal nach verrückten, gewalttätigen Irren. Das stimmt aber so nicht. Der Psychologe Jens Hoffmann forscht über Psychopathen – und zwar nicht nur über solche, die durch Gewaltverbrechen auffallen, sondern vor allem solche, die sozial überaus erfolgreich sind.

Und von denen gibt es eine Menge: Der Anteil von Psychopathen im höchsten Management ist dreimal höher als der im Bevölkerungsdurchschnitt, sagt Hoffmann. Als Mitglied am Institut Psychologie und Bedrohngsmanagement berät er unter anderem Unternehmen und Banken hinsichtlich des Risikos, einen Psychopathen zu beschäftigen. Dabei zeigt sich: Besonders der Vertrieb, die Banken- und Versicherungsbranche ziehen diesen Typ an. Denn hier geht es um Macht, Geld und hohes Risiko. Bisweilen wissen Banken nicht, was genau ihre besten Trader so tun. Und nicht selten weisen diese Führungskräfte ein psychopathisches Profil aus.

Etwa 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung sind Psychopathen. In den Spitzenpositionen der Wirtschaft beträgt ihr Anteil neuen Studien zufolge aber 6 Prozent. Es sind Menschen, die gefühlskalt und angstfrei sind. Sie lieben den Nervenkitzel und gehen große Risiken ein. Sie sind nicht steuerbar und handeln ausschließlich im eigenen Interesse. Sie haben Spaß an Dominanz und Macht, darum streben sie auch in Führungspositionen, wo sie diese Lust ausleben können. Sie mögen es durchaus, andere zu quälen und es bereitet ihnen Freude, wenn andere Angst vor ihnen haben. Zugleich sind sie hochmanipulativ. Sie können andere begeistern und mitreissen und ihnen Gefühle und Empathie vorspielen. In der Regel glaubt das Management um psychopathische Chefs sogar, dass diese Manager gute Freunde seien. Aber sie gehen keine richtigen Bindungen ein. Bisweilen stolpern sie auch nicht über ihre Fehler, denn sozial erfolgreiche Psychopathen sind häufig überdurchschnittlich intelligent. Die große Gefahr liegt allerdings in ihren komplett allein getroffenen, hochriskanten Entscheidungen und ihrem knallharten Führungsstil, mit dem sie ganze Konzerne ruinieren können. “Psychopathen sind nicht steuerbar”, sagt der Psychologe Hoffmann. Werden sie angegriffen, wehren sie sich oft mit einer Attacke, die häufig auf die berufliche, finanzielle und soziale Zerstörung des Opfers abzielt.

Interessant auch: Sozial erfolgreiche Psychopathen können offenbar sehr gut mit Stress umgehen. Weil sie gefühlskalt sind, fällt es ihnen auch sehr leicht, unpopuläre Entscheidungen wie etwa Massenentlassungen zu fällen.

Man geht davon aus, dass eine psychopathische Persönlichkeit vor allem biologische Gründe hat. Ein Blick auf die Evolution zeige, so Hoffmann, das gut 1 bis 2 Prozent einer Gruppe solche Merkmale aufweist. Und dass viele der charismatischen Führer in der Menschheit solche Typen waren – die letztlich auch eine Gruppe erfolgreich angeführt haben und so ihren Fortbestand sicherten. Allerdings scheint es häufiger männliche Psychopathen als weibliche zu geben. Das kann mit den unterschiedlichen Rollenerwartungen an Männer und Frauen zu tun haben.

Ein Kommentar

  1. Hallo Frau Groll,

    vielen Dank für diesen Artikel.

    Es ist wohl auch gar nicht einfach, einen Psychopathen überhaupt als solchen zu identifizieren – eben weil sie gelernt haben, sehr gut zu spielen. Die Profilerin Suzsanne Grieger-Langer hat das treffend gesagt: “Jeder, der denkt, er erkennt einen Psychopathen einfach mal so im Gespräch, überschätzt sich massiv!”

    Auf Youtube gibt es einen Dokumentarfilm über einen Psychopathen. Dieser Film hat mich beeindruckt und ziemlich nachdenklich gemacht: http://youtu.be/iCaXUFJUSZo

    Herzliche Grüße
    Bernd Geropp

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