Armutsrisiko Kinder: Familien sind stärker von Armut bedroht als angenommen

Mit der Anzahl der Kinder steigt das Armutsrisiko von Familien, stellt eine neue Studie fest.

Unsplash / Jørgen Håland

Mit der Anzahl der Kinder steigt das Armutsrisiko von Familien, stellt eine neue Studie fest.

Je mehr Kinder eine Familie hat, desto größer ist tendenziell auch ihr Armutsrisiko. Das stellt eine neue Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung fest.

Demnach wiegen die Kosten für ein Kind deutlich schwerer, je niedriger das Familieneinkommen sei. Die Forscher verglichen in der Studie verschiedene Familientypen miteinander und berücksichtigten auch, wie sich die zusätzlichen Ausgaben für Kinder auswirkten. Klar ist: Wer alleinerziehend ist, hat ganz andere Ausgaben als eine Familie, in denen zwei zum Einkommen beitragen. Klar ist: In einer Familie mit nur einem Elternteil muss dieses die Kosten für Wohnen, Essen, Hygieneprodukte oder Betreuung alleine schultern. Gerade um Familie und Beruf überhaupt vereinbaren zu können, müssen Alleinerziehende viel mehr Geld ausgeben. Und während Familien, in denen beide erwerbstätig sind, die Kosten für Kinder teils dadurch kompensieren können, in dem sie einfach den Umfang der Erwerbstätigkeit erhöhen (sprich: in dem sie mehr Stunden arbeitet), ist das in Ein-Eltern-Familien oft kaum möglich.

Belastung für arme Familien wurde bislang unterschätzt

Erstmals konnten die Forscher außerdem durch eine bestimmte Herangehensweise in der Analyse belegen, dass die bisher übliche Anwendung der OECD-Skala dazu führt, dass die Belastung für arme Haushalte regelmäßig unterschätzt und die für reiche Haushalte überschätzt wurde. Verschärfend kommt hinzu, dass die Schere zwischen Wohlhabenden und Armen größer geworden ist. Das Armutsrisiko insbesondere von Alleinerziehenden ist der Untersuchung zufolge extrem hoch und liegt bei 68 Prozent. Bei Familien mit zwei Elternteilen liegt es bei 16 Prozent. Zum Vergleich: Nach konventioneller Rechnung beträgt es für Paarfamilien 13 Prozent, für Alleinerziehende 46 Prozent.

Die Studie stellt außerdem fest, dass es vor allem der Ausbau der Kinderbetreuung ist (und zwar kostenlose Kinderbetreuung), die Familien dabei hilft, ihre Einkommenssituation zu halten. Kindergelderhöhungen hingegen haben kaum einen spürbaren Effekt. Und gerade weil sowohl Reiche als auch Arme das Kindergeld erhalten, trägt es eher dazu bei, dass die Schere nicht geschlossen wird.