Anspruch auf Auskunft – aber kaum eine fragt nach

Gleich viele Männer wie Frauen haben bisher das Entgelttransparenzgesetz genutzt.

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Gleich viele Männer wie Frauen haben bisher das Entgelttransparenzgesetz genutzt.

Seit Anfang des Jahres haben Frauen ein Recht darauf, zu erfahren, ob sie beim Gehalt benachteiligt werden. Unter Umständen. Denn das Entgelttransparenzgesetz gilt nicht für alle Unternehmen und kaum eine Frau macht davon Gebrauch.

Das geht aus einer Studie der Personal- und Managementberatung Kienbaum hervor.

Seit dem 06. Januar 2018 haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Firmen mit mehr als 200 Beschäftigten einen Auskunftsanspruch zu erfahren, ob sie in der Lohnstruktur mit einer Gruppe vergleichbarer Kolleginnen und Kollegen weniger Gehalt bekommen als die anderen. Das Gesetz war vorher stark diskutiert worden. Nun wollte die Beratung wissen: Wirkt es denn? Und wie wird es angenommen? Untersucht wurden 100 vom Gesetz betroffene Arbeitgeber. Der Studie zufolge haben in den Unternehmen nur sehr wenige Beschäftigte von ihrem Auskunftsrecht Gebrauch gemacht. Im Schnitt seien etwa zwei pro Monat eingegangen. Erstaunlich daran ist: Obwohl das Gesetz eigentlich dazu gedacht war, Frauen ein Instrument zur Vermeidung des Gender Pay Gaps an die Hand zu geben, machen auch die Männer davon Gebrauch. So sei das Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Antragstellern ausgeglichen gewesen, heißt es in der Studie.

Zwei Drittel der Firmen konnten keine Entgeltlücke erkennen

Und wie sieht es mit dem Gender Pay Gap in den Betrieben aus? Fast zwei Drittel der Befragten gaben an, dass keine Entgeltlücke identifiziert wurde. Bei 14 Prozent der befragten Arbeitgebern hingegen lagen die Fragesteller tatsächlich unter dem Durchschnittswert ihrer Vergleichsgruppe – ein Indiz, dass eine Lohnlücke vorhanden ist.

Für die Unternehmen ist das Verfahren allerdings nicht ganz einfach. Die befragten Personalverantwortlichen gaben in der Studie an, dass für sie die Berechnung des Vergleichsentgelts die größte Herausforderung sei. Außerdem nannten 80 Prozent die Rechtfertigung der Entgeltlücke, 50 Prozent sagten jedoch, dass es Gründe für eine Abweichung gebe.

In den meisten Fällen haben die Arbeitnehmervertreter – also die Betriebsräte in den Unternehmen – die Anfragen für die Beschäftigten gestellt. Es kommt aber auch vor, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst eine Anfrage an die Personalabteilung stellen und das Verfahren nicht über die Mitarbeitervertretung laufen lassen.

 

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